top of page

BMW Group setzt weiter auf HVO100 und damit auf Synthetische Treibstoffe

  • 12. März
  • 3 Min. Lesezeit
BMW Group CEO Oliver Zipse
BMW Group CEO Oliver Zipse
Auf der diesjährigen Jahreskonferenz unterstrich BMW-Chef Oliver Zipse die zentrale Rolle von HVO100. Er betonte, wie wichtig es sei, diesen regenerativen Kraftstoff konsequent voranzutreiben, um der Kundschaft eine echte technologische Vielfalt auf dem Weg zur CO₂-Neutralität zu bieten.“

"Wir bieten Lösungen nicht nur für Neufahrzeuge, sondern auch für die bestehende Flotte auf den Strassen an – basierend auf Technologieoffenheit über den gesamten Lebenszyklus unserer Fahrzeuge hinweg." (Oliver Zipse, CEO BMW Group)

HVO 100 und BMW Diesel-Technologie: Eine technisch-chemische Analyse

In der Debatte um die Dekarbonisierung des Verkehrssektors rückt ein Kraftstoff immer stärker in den Fokus von Ingenieuren und Flottenbetreibern: HVO 100 (Hydrotreated Vegetable Oil). Für Besitzer und Enthusiasten von BMW-Dieselmotoren stellt sich die Frage, wie dieser paraffinische Kraftstoff mit der hochkomplexen Common-Rail-Technologie und der Abgasnachbehandlung korrespondiert.


Warum HVO kein „Biodiesel“ ist

Ein häufiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von HVO mit klassischem Biodiesel (FAME – Fettsäuremethylester). Technisch liegen Welten dazwischen:


  • Herstellungsprozess: Während FAME durch Umesterung gewonnen wird, entsteht HVO durch katalytische Hydrierung (Hydrotreating). Dabei werden Pflanzenöle oder Reststoffe unter hohem Druck und Temperatur mit Wasserstoff zur Reaktion gebracht.

  • Molekülstruktur: HVO besteht aus reinen Paraffinen (gesättigten Kohlenwasserstoffen). Er enthält nahezu keine Aromaten und keinen Schwefel. Chemisch ist HVO 100 damit fast identisch mit hochwertigem, synthetischem GTL-Diesel (Gas-to-Liquid).

  • Cetan-Zahl: Während fossiler Diesel nach DIN EN 590 eine Mindest-Cetanzahl von 51 aufweisen muss, liegt HVO 100 typischerweise zwischen 70 und 80. Dies führt zu einem deutlich optimierten Zündverzug und einer kontrollierteren Verbrennung.


"Aus diesem Grund integrieren wir auch Kraftstoffe wie HVO100 und setzen uns für ihre 100-prozentige Anrechnung bei der CO₂-Berechnung ein. Darüber hinaus würde die Anerkennung und Anrechnung von grünem Stahl die europäische Stahlindustrie stärken und Arbeitsplätze in Europa sichern."(Oliver Zipse, CEO BMW Group)

Offizielle Freigaben der BMW Group

Seit März 2020 sind nahezu alle BMW Dieselmodelle (Produktionsdatum) ab Werk für Kraftstoffe nach EN 15940 freigegeben. Dies umfasst die modernen Motorengenerationen:


  • B37 (3-Zylinder)

  • B47 (4-Zylinder)

  • B57 (6-Zylinder)


Das entscheidende Merkmal für den Endkunden ist das XTL-Symbol auf der Innenseite der Tankklappe. XTL steht für „X-to-Liquid“ und signalisiert die Eignung für paraffinische Kraftstoffe.


Einfluss auf die Motorentechnik und Sensorik.


Einspritzsystem und DDE (Digitale Diesel Elektronik)

Die DDE von BMW ist in der Lage, über die Laufruheregelung und die Lambda-Sonden-Rückführung geringfügige Unterschiede in der Kraftstoffdichte und Viskosität auszugleichen. Da HVO eine geringere Dichte als fossiler Diesel hat (ca. 780 kg/m³ vs. 820–845 kg/m³), könnte theoretisch ein minimaler Mehrverbrauch entstehen. Dies wird jedoch oft durch den höheren Energiegehalt und die effizientere Verbrennung kompensiert.


Abgasnachbehandlung (DPF & SCR)

HVO 100 verbrennt aufgrund der fehlenden Aromaten signifikant rußärmer. Für die BMW-Abgasreinigung bedeutet dies:


  • Geringere Beladungsraten des Dieselpartikelfilters (DPF): Die Regenerationsintervalle können sich verlängern.

  • Saubere AGR-Strecke: Die Neigung zur Verkokung des Abgasrückführungsventils (AGR) und der Ansaugwege wird drastisch reduziert – ein entscheidender Faktor für die Langzeithaltbarkeit der N47/N57 und B47/B57 Motoren.


Schmierfähigkeit (Lubricity)

Da HVO durch den Hydrierungsprozess kaum natürliche Schmierstoffe enthält, müssen Additive zugesetzt werden, um die Verschleißschutzeigenschaften gemäß Norm sicherzustellen. Hochwertiges HVO 100 an Tankstellen ist entsprechend additiviert, sodass die Hochdruckpumpe keinen Schaden nimmt.


Kältefestigkeit und Lagerstabilität

HVO ist extrem kälteresistent. Der Cloud Point (die Temperatur, bei der Paraffine ausflocken) lässt sich im Herstellungsprozess präzise steuern. Viele HVO-Kraftstoffe bieten eine Filtrierbarkeit von bis zu -22 °C oder tiefer. Zudem ist HVO resistent gegen die sogenannte „Dieselpest“ (mikrobielles Wachstum), da es keinen Sauerstoff enthält und somit chemisch stabiler altert als B7-Diesel.


HVO 100 vs. Klassischer Diesel

Feature

Fossiler Diesel (B7)

HVO100

CO2-Reduktion

0%

bis zu 90%

Kaltstartverhalten

Gut

Exzellent (bis -20°C)

Motorgeräusch

Standard

Oft merklich leiser

Verfügbarkeit

An jeder Tankstelle

Wachsend (seit April 2024 in DE frei verkäuflich)


Quellen: BMW Group und rescherschen im Internet.

Kommentare


bottom of page