60 Jahre BMW Motorradwerk Berlin: Von der R 60/2 zum Leitwerk.

Wer eine BMW GS, eine R 1300 RT oder eine S 1000 RR fährt, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Stück Berlin unter sich. Seit 60 Jahren werden in Spandau BMW Motorräder montiert. Was im September 1966 mit einer einzigen Baureihe begann, ist heute das Herz der weltweiten Motorradproduktion von BMW.
Der Anfang: Eine R 60/2 in Spandau
Im September 1966 startete im Berliner Werk die Montage der BMW R 60/2, zunächst parallel zur Motorradproduktion in München. In den folgenden Jahren zog BMW die Fertigung Schritt für Schritt in die damalige Inselstadt um. 1969 war die Verlagerung abgeschlossen, dieses Jahr gilt deshalb als eigentliches Geburtsjahr des BMW Motorradwerks Berlin.
Die Dimensionen damals: Rund 400 Mitarbeitende bauten etwa 30 Motorräder pro Tag. Heute sind es über 2'600 Beschäftigte, und täglich verlassen rund 900 Motorräder und e-Scooter die Linien. Bis 2026 summiert sich das auf 4 Millionen produzierte Fahrzeuge.
Modelle, die Geschichte schrieben
Berlin war nie nur Montagehalle, sondern immer auch der Ort, an dem neue Segmente entstanden. Die BMW R 90 S gehört ebenso dazu wie die R 80 G/S von 1980, der Urahn aller Reiseenduros und damit der Beginn der GS-Erfolgsgeschichte, die BMW Motorrad bis heute trägt.
Auch technisch setzte Spandau Massstäbe: Hier wurde das weltweit erste serienmässige Motorrad-ABS verbaut, dazu kamen früh flexible Fertigungssysteme.
Vom Montagestandort zum Leitwerk
Heute ist Berlin das Leitwerk im internationalen Produktionsnetzwerk von BMW Motorrad. Dazu gehören eigene Standorte in Thailand (seit 2014) und Brasilien (seit 2016) sowie die Produktionspartner Loncin in Chongqing (China) und TVS Motor Company in Hosur (Indien). Produktanläufe im gesamten Netzwerk werden von Berlin aus gesteuert, neue Technologien und Produktionskonzepte hier entwickelt.
Die Fertigungstiefe ist beachtlich. In Spandau entstehen nicht nur fertige Motorräder, sondern auch:
Mechanische Komponenten: Zylinderköpfe, Kurbelwellen, Kurbelgehäuse, Pleuel und Gelenkwellen
Schweissbaugruppen: unter anderem Rahmen und Kraftstoffbehälter
Oberflächenbeschichtung: Galvanik, KTL, Pulverlack und Nasslack
Motorenmontage und Fahrzeugmontage
Dazu fertigt das Werk über drei Millionen PKW-Bremsscheiben pro Jahr. Das Portfolio umfasst 30 Motorradvarianten aus Sport, Tour, Roadster, Heritage, Adventure und Urban Mobility, erhältlich in über 40 Farben und mit mehr als 300 Sonderausstattungen, verkauft in über 130 Ländern.
Investitionen und Technik in der Montage
BMW Motorrad investiert jährlich rund 60 bis 80 Mio. Euro in den Standort. Dazu gehören der Ausbau der Kapazitäten, ein neues Logistikzentrum und die 2026 in Betrieb genommene neue Lackieranlage.
In der Montage bleibt vieles Handarbeit, Technik kommt gezielt dort zum Einsatz, wo sie die Mitarbeitenden unterstützt. Ein KI-gestütztes Kamerasystem (AIQX) hilft bei der Qualitätskontrolle, automatisierte Datenanalysen ermöglichen vorausschauende Instandhaltung, und moderne Sensorik überwacht die Schraubtechnik (IPS-I).
Helmut Schramm, Leiter Produktion BMW Motorrad und Leiter des Werks Berlin, bezeichnet den Standort zum Jubiläum als das Herz der weltweiten Produktion von BMW Motorrad und versteht die 60 Jahre als Ansporn, die Zukunft der Fertigung digital und gemeinsam mit den Beschäftigten zu gestalten.
Jubiläumsausstellung bis Mitte November
Wer das Werk besuchen will: Auf dem Gelände in Spandau zeigt eine Ausstellung noch bis Mitte November die Geschichte der letzten sechs Jahrzehnte. Werkführungen lassen sich über die BMW Group iFACTORY Experience buchen, und seit 2023 bietet die BMW Motorrad Welt direkt am Werk auf rund 1'000 Quadratmetern ein Marken- und Eventerlebnis.
60 Jahre, 4 Millionen Fahrzeuge und aus 30 Motorrädern pro Tag sind 900 geworden. Berlin-Spandau ist für BMW Motorrad, was München für die Automobile ist: Ursprung, Identität und Taktgeber zugleich. Mit neuer Lackieranlage und KI in der Qualitätssicherung ist das Werk bereit für die nächsten Jahrzehnte.
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Quellen: BMW Press Group, Google, Instagram, Erfahrungen aus dem Auto Gewerbe
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