WorldSBK-Finale in Jerez: BMW sagt «Grazie, Petrux» – und rettet Rang drei bei den Herstellern.

Das Saisonfinale der Superbike-Weltmeisterschaft 2026 in Jerez de la Frontera stand für BMW Motorrad Motorsport ganz im Zeichen des Abschieds: Danilo Petrucci fuhr seine letzten Rennen auf der BMW M 1000 RR. Sportlich lief das Wochenende zäh – doch Miguel Oliveira holte im allerletzten Lauf genau die Punkte, die BMW für Platz drei in der Herstellerwertung brauchte. Und zwar mit nur einem einzigen Zähler Vorsprung.
Emotionaler Abschied auf der Paddock-Show-Bühne
Für Danilo Petrucci, von Fans und Fahrerlager nur «Petrux» genannt, war Jerez die letzte Station im ROKiT BMW Motorrad WorldSBK Team. Bereits am Samstagabend wurde der Italiener gebührend verabschiedet: Team und Fans versammelten sich auf der grossen Bühne der WorldSBK Paddock Show und dankten dem Publikumsliebling mit persönlichen Worten für seinen Einsatz auf der #9 BMW M 1000 RR.
Petrucci selbst zeigte sich danach sichtlich bewegt. Für ihn sei es ein Traum gewesen, für den grössten Motorradhersteller Europas Rennen zu fahren. Die Resultate seien zwar hinter den gemeinsamen Erwartungen zurückgeblieben, aber alle hätten ihr Bestes gegeben: «Mir fehlen ein bisschen die Worte, aber ich bin wirklich glücklich.»
Das Rennwochenende: Defekt, Aufholjagd und ein wichtiger zehnter Platz
Sportlich war der Saisonabschluss für BMW kein einfacher. Schon im Qualifying lief es nicht rund – Oliveira startete von Rang 13, Petrucci von Rang 15 ins Wochenende.
Rennen 1 (Samstag): Oliveira musste wegen eines technischen Defekts vorzeitig aufgeben. Petrucci sah die Zielflagge auf Platz 17.
Superpole Race (Sonntagvormittag): Oliveira kämpfte sich auf Rang 11 nach vorne, Petrucci wurde 19.
Rennen 2 (Sonntagnachmittag): Im letzten Lauf der Saison – gegen Ende kam noch Regen dazu – schaffte Oliveira den Sprung in die Top 10. Petrucci beendete sein letztes WorldSBK-Rennen für BMW auf Platz 20.
Der zehnte Rang von Oliveira war Gold wert: Mit diesen Punkten sicherte er BMW den dritten Platz in der Herstellerweltmeisterschaft – mit 184 zu 183 Punkten denkbar knapp vor Yamaha.
Oliveira zog trotz allem ein positives Fazit. Das Team habe am Sonntag eine Änderung ausprobiert, die sich im zweiten Rennen bewährt habe. Nach dem verpatzten Qualifying und dem Ausfall am Samstag sei er mit der Steigerung zufrieden – und könne die Wintertests kaum erwarten. An Petrucci richtete er ebenfalls warme Worte: ein grossartiger Teamkollege, den man vermissen werde.
Ducati-Festspiele an der Spitze
An der Spitze gab es in Jerez – wie über weite Teile der Saison – nur eine Farbe: Rot. Nicolò Bulega (Aruba.it Racing – Ducati) gewann die Superpole sowie alle drei Rennen und stellte im Superpole Race mit 1:37,196 Minuten einen neuen Rundenrekord auf. Die Plätze zwei und drei gingen jeweils an Iker Lecuona und Sam Lowes, ebenfalls beide auf Ducati.
Bulega krönt sich damit mit 726 Punkten souverän zum Weltmeister, 163 Zähler vor seinem Teamkollegen Lecuona. Bester BMW-Fahrer im Gesamtklassement ist Miguel Oliveira auf Rang 11.
«Eine emotionale Achterbahnfahrt»: Das sagt die BMW-Führung
Sven Blusch, Leiter BMW Motorrad Motorsport, bezeichnete die Saison als Achterbahnfahrt der Gefühle. Neben mehreren Podestplätzen hätten vor allem die schweren Verletzungen von Oliveira und Petrucci den Saisonverlauf massgeblich geprägt. Der Blick gehe nun nach vorne: 2027 tritt BMW mit Miguel Oliveira und Neuzugang Brad Binder an. Petrucci lobte Blusch als echte Kämpfernatur, die bis zum Schluss alles gegeben habe – er bleibe Teil der BMW-Familie: «Grazie, Danilo!»
Christian Gonschor, Technischer Direktor BMW Motorrad Motorsport, sprach von einer Saison mit Höhen und Tiefen. Das Ziel, Rennen zu gewinnen, wurde verfehlt, zeitweise musste das Team gar auf beide Werksfahrer verzichten. Die Performance sei jedoch oft besser gewesen, als es die Ergebnisse zeigten – in vielen Rennen war die M 1000 RR schneller unterwegs als 2025. Nun gelte es, diesen Speed konsequent in Resultate umzumünzen. Zuversicht schöpft Gonschor vor allem aus dem Reglement-Wechsel: Für 2027 kommen neue Regeln und ein neues Motorrad – und damit neue Chancen.
Sportlich bleibt 2026 für BMW in der WorldSBK eine Saison unter den Erwartungen – geprägt von Verletzungspech und einer übermächtigen Ducati-Armada. Der hauchdünn verteidigte dritte Platz in der Herstellerwertung ist dennoch ein versöhnlicher Abschluss. Mit Brad Binder als prominentem Neuzugang aus der MotoGP, einem neuen Bike und frischem Reglement stehen die Vorzeichen für 2027 auf Neustart. Und Petrux? Der verabschiedet sich als einer der sympathischsten Fahrer im Paddock – grazie!
Zahlen und Fakten: WorldSBK Jerez 2026
Superpole
1. Nicolò Bulega (ITA), Ducati – 1:36,643
2. Sam Lowes (GBR), Ducati – 1:36,960
3. Iker Lecuona (ESP), Ducati – 1:37,098
13. Miguel Oliveira (POR), BMW – 1:38,312
15. Danilo Petrucci (ITA), BMW – 1:38,392
Rennen 1 (20 Runden, trocken)
1. Nicolò Bulega (ITA), Ducati
2. Sam Lowes (GBR), Ducati – +1,657 s
3. Iker Lecuona (ESP), Ducati – +2,853 s
17. Danilo Petrucci (ITA), BMW – +31,457 s
DNF Miguel Oliveira (POR), BMW
Superpole Race (10 Runden, trocken)
1. Nicolò Bulega (ITA), Ducati
2. Iker Lecuona (ESP), Ducati – +0,797 s
3. Sam Lowes (GBR), Ducati – +8,350 s
11. Miguel Oliveira (POR), BMW – +15,714 s
19. Danilo Petrucci (ITA), BMW – +23,890 s
Rennen 2 (20 Runden, trocken, später Regen)
1. Nicolò Bulega (ITA), Ducati
2. Iker Lecuona (ESP), Ducati – +4,696 s
3. Sam Lowes (GBR), Ducati – +13,349 s
10. Miguel Oliveira (POR), BMW – +28,002 s
20. Danilo Petrucci (ITA), BMW – +47,825 s
Fahrer-WM – Endstand nach 36 Rennen
1. Nicolò Bulega (ITA), Ducati – 726 Punkte
2. Iker Lecuona (ESP), Ducati – 563 Punkte
3. Yari Montella (ITA), Ducati – 318 Punkte
11. Miguel Oliveira (POR), BMW – 142 Punkte
17. Danilo Petrucci (ITA), BMW – 61 Punkte
20. Michael van der Mark (NED), BMW – 23 Punkte
Hersteller-WM – Endstand
1. Ducati – 744 Punkte
2. Bimota – 316 Punkte
3. BMW – 184 Punkte
4. Yamaha – 183 Punkte
5. Kawasaki – 165 Punkte
6. Honda – 64 Punkte
Quelle: BMW Motorrad Motorsport, Presse-Information vom 18. Oktober 2026
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