BMW F 450 RR: Die kleine Schwester der S 1000 RR ist da.

Nose down, tail up, 48 PS und echtes RR-Feeling: Mit der neuen F 450 RR öffnet BMW Motorrad die Tür zur RR-Welt erstmals für A2-Fahrerinnen und -Fahrer. Wer einen zweiten Blick riskiert, sieht schnell, dass hier kein abgespecktes Einsteigerbike steht. Die F 450 RR ist ein ernst gemeinter Supersportler im Kompaktformat.
Ein Blick genügt: Das ist ein RR
BMW macht beim Design keine Kompromisse. Die F 450 RR übernimmt die Formensprache der aktuellen S 1000 RR fast eins zu eins: die markante Nose-down-Tail-up-Haltung, die typische RR-Flyline, Winglets, asymmetrische Verkleidungsseitenteile mit Kiemen auf der rechten Seite und das Splitface. Dazu kommt die von der S 1000 RR bekannte Tagfahrlichtsignatur im LED-Scheinwerfer. Für Design-Chef Alexander Buckan ist die F 450 RR eine eigenständige, kompakte Interpretation der RR-DNA, und genau so wirkt sie auch.
Das Herzstück: 420 cm³ mit Charakter
Unter der Verkleidung arbeitet der Zweizylinder-Reihenmotor, den wir bereits aus der F 450 GS kennen. Für die RR hat BMW ihn gezielt supersportlich abgestimmt. Die Kennzahlen:
35 kW (48 PS) bei 8'750/min
43 Nm bei 6'750/min, 80 % davon liegen bereits bei 3'000/min an
72 mm Bohrung × 51,6 mm Hub, Verdichtung 13:1
Zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Schlepphebel
Der eigentliche Clou ist die Kurbelwelle mit 135-Grad-Hubzapfenversatz. Laut BMW ist diese Lösung auf dem Motorradmarkt einzigartig. Der ungleichmässige Zündabstand sorgt für einen markanten Klang und eine charaktervolle Kraftentfaltung. Eine gegenläufige Ausgleichswelle hält die Vibrationen gleichzeitig niedrig. Den Sound liefert der neue Unterflurschalldämpfer aus Edelstahl, der nebenbei Schräglagenfreiheit schafft und den Schwerpunkt zentralisiert.
Bemerkenswert für diese Klasse sind auch die Magnesiumdeckel für Kupplung und Getriebe. Leichtbau zieht sich durch das ganze Motorrad.
177 kg: Das Leistungsgewicht stimmt
Fahrfertig wiegt die F 450 RR nur 177 kg. Das reicht für 0–100 km/h in 5,6 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 177 km/h. Gleichzeitig zeigt sie sich sparsam: Mit 3,8 l/100 km (WMTC) und einem 14-Liter-Tank liegen rechnerisch über 350 km Reichweite drin. Das Wartungsintervall beträgt BMW-üblich 10'000 km.
Für die Schweiz interessant: Mit 35 kW bei 177 kg kommt die F 450 RR auf rund 0,198 kW/kg. Sie bleibt damit knapp unter der Grenze von 0,20 kW/kg, die für die Kategorie A beschränkt gilt. Eine Drosselung braucht es laut BMW nicht.
Easy Ride Clutch: Supersport ohne Kupplungshebel
Das spannendste Technik-Feature heisst Easy Ride Clutch (ERC). Eine Fliehkrafteinheit übernimmt das Einkuppeln abhängig von der Drehzahl. Zusammen mit dem Schaltassistent Pro lässt sich die F 450 RR komplett ohne Kupplungshebel fahren, anfahren und schalten.
Anders als klassische Fliehkraftkupplungen bleibt die ERC im Schubbetrieb geschlossen. Die Motorbremse wirkt deshalb bis kurz vor dem Stillstand, und erst bei Leerlaufdrehzahl öffnet die Kupplung und verhindert das Abwürgen. Den Kupplungshebel gibt es trotzdem weiterhin für alle, die bewusst eingreifen wollen. Die ERC macht das Motorrad nur 1 kg schwerer. Ab Werk gibt es die ERC im Innovationspaket der M Sport, für alle anderen Varianten als Nachrüst-Zubehör.
Fahrwerk: Gemacht für Kurven und Curbs
Basis ist der Stahl-Gitterrohrrahmen der F 450 GS mit mittragendem Motor, allerdings mit komplett eigener, supersportspezifischer Geometrie:
Radstand: 1'405 mm
Lenkkopfwinkel: 23,4°
Nachlauf: 110 mm
Federweg: 140 mm vorne und hinten
Vorne arbeitet eine KYB-Upside-down-Gabel mit 43 mm und goldenen Standrohren. Beim Sportfahrwerk ist sie in Zug- und Druckstufe einstellbar. Hinten kommen eine Alu-Hohlguss-Zweiarmschwinge und ein direkt angelenktes KYB-Federbein zum Einsatz, das in Federbasis und Zugstufe einstellbar ist. Die Gabelbrücke ist aus geschmiedetem Aluminium, und der Stummellenker ist direkt daran befestigt.
Gebremst wird vorne mit einem Brembo-Vierkolben-Monobloc-Sattel auf einer 310-mm-Scheibe. Dazu kommen serienmässig ABS Pro (schräglagenoptimiert), Dynamic Brake Control und dynamisches Bremslicht. Die Bereifung ist im Format 110/70-17 vorne und 150/60-17 hinten.
Rennstrecken-Gene ab Werk
Bei der F 450 RR geht es um mehr als nur den Look. Ein paar Details zeigen, wie ernst BMW den Track-Anspruch nimmt:
Umkehrbares Schaltschema ohne grossen Aufwand
Fahrmodi Rain, Road und Race serienmässig, dazu DTC und MSR
Mit Fahrmodi Pro der frei konfigurierbare Modus «Race Pro» (Gasannahme, DTC, ABS)
Bei den M Sport-Varianten drei Sport Screens (DTC, Bremskraft, Schräglage) und ein Laptimer
Schalt- und Fussbremshebel sowie die Seitenstütze aus geschmiedetem Aluminium
Verschraubte Soziusfussrasten-Ausleger, was in dieser Klasse alles andere als selbstverständlich ist
Für den Track-Einstieg bietet BMW unter dem Motto «Rookie on Racetrack» ein Windschild Sport, M Handhebelprotektoren, einen Motorprotektor und Montageständer an.
Und im Alltag?
Auch hier kann die F 450 RR überzeugen. Serienmässig gibt es Heizgriffe, Voll-LED, ein 6,5-Zoll-TFT mit Connectivity (Telefonie, Musik und Pfeilnavigation über die Connected App, ohne Zusatz-App) sowie eine USB-C-Steckdose. Die Sitzhöhe liegt bei 790 mm und lässt sich per Zubehörsitz zwischen 775 und 810 mm anpassen. Ein riemenloser Tankrucksack und neue Softkoffer mit je 16,5 l machen auch Kurztrips möglich.
Vier Varianten im Überblick
Basis: Cosmic Black, Serienausstattung
Sport: Racing Red, Schaltassistent Pro, Sportfahrwerk
M Sport: Snaefell Weiss / M Motorsport, zusätzlich Fahrmodi Pro, weisser Rahmen, Felgenrandaufkleber
M Sport mit Innovationspaket: Snaefell Weiss / M Motorsport, zusätzlich Easy Ride Clutch
Unser Fazit
Mit der F 450 RR besetzt BMW eine Lücke, die viele RR-Fans schon lange gesehen haben: einen echten Supersportler für Einsteiger, der weder billig wirkt noch nach Kompromiss aussieht. Der 135-Grad-Twin mit eigenem Sound, das tiefe Gewicht und die Track-Features wie das umkehrbare Schaltschema und der Laptimer machen sie auch für erfahrene Fahrer interessant, die etwas Leichtes für Passstrasse und Trackday suchen. Die Easy Ride Clutch ist in diesem Segment ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
Für viele dürfte die M Sport in Snaefell Weiss mit weissem Rahmen der optische Volltreffer sein, denn sie ist die S 1000 RR im Taschenformat. Preise und Marktstart für die Schweiz nennt BMW in der Pressemitteilung noch nicht. Wir halten euch auf dem Laufenden.
Quelle: BMW Group PressClub, Medieninformation 10/2026
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