Das BMW Group Werk Steyr: Das Herz der Antriebskompetenz
- 23. Juni
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Wenn rund jeder zweite neu ausgelieferte BMW und MINI weltweit mit einem «Herz aus Steyr» unterwegs ist, dann sagt das viel über die Bedeutung eines einzelnen Standorts aus. Das BMW Group Werk Steyr in Oberösterreich ist das grösste Motorenwerk der gesamten BMW Group – und längst weit mehr als eine reine Produktionsstätte. Es ist Entwicklungszentrum, Innovationsschmiede und seit Kurzem auch ein Schlüsselstandort für die Elektromobilität. Wir werfen einen Blick hinter die Werkstore.
Von einem Spatenstich 1979 zum grössten Motorenwerk der Welt
Die Geschichte beginnt 1977 mit der Gründung der BMW Austria, gefolgt 1979 vom ersten Spatenstich für eine Entwicklungs- und Produktionsgesellschaft in Steyr – damals noch vom österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky vorgenommen. Aus diesen Anfängen entwickelte sich über mehr als vier Jahrzehnte das weltweit grösste Motorenwerk der BMW Group und eines der wichtigsten Industrieunternehmen Österreichs.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit Produktionsbeginn haben über 30 Millionen Motoren das Werk verlassen. Heute arbeiten am Standort rund 4.900 Beschäftigte, ergänzt durch ein eigenes Entwicklungszentrum mit rund 700 Entwicklerinnen und Entwicklern.
Was in Steyr gefertigt wird
Das Werk gliedert sich in mehrere Hauptbereiche, die ineinandergreifen:
Mechanische Fertigung der Kernkomponenten. Hier entstehen die Herzstücke jedes Motors: Kurbelgehäuse, Kurbelwelle, Zylinderkopf und Pleuel – aber auch Gehäuse für Elektroantriebe. Die Bearbeitungsgenauigkeit wird dabei in tausendstel Millimetern gemessen. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist mit 0,05 Millimetern rund fünfzigmal dicker als die geforderte Toleranz. Diese Kernteile werden nicht nur in Steyr verbaut, sondern an weitere BMW-Werke weltweit geliefert.
Montage der Verbrennungsmotoren. Auf den Montagebändern laufen Hunderte verschiedener Motorvarianten – 3-, 4- und 6-Zylinder-Benziner sowie Dieselaggregate für BMW und MINI. Seit 2023 fertigt Steyr ausserdem den V8-Ottomotor, der zuvor aus München kam – die stärksten Motoren, die je in Steyr gebaut wurden.
Entwicklungszentrum. Steyr ist das konzernweite Kompetenzzentrum für effiziente Dieselmotoren und entwickelt zugleich Elektroantriebe, Gesamtfahrzeugkühlung und Ladetechnik. Ein Grossteil der Entwicklerschaft arbeitet bereits an Themen der E-Mobilität.
Im Jahr 2025 verliessen knapp über 1,2 Millionen Motoren das Werk – Verbrenner und erstmals auch Elektroantriebe.
Der grosse Wandel: Steyr wird elektrisch
Den vielleicht bedeutendsten Umbruch seiner Geschichte erlebt das Werk gerade jetzt. Seit 2025 produziert Steyr den E-Antrieb der sechsten Generation (Gen6 eDrive) – den ersten vollelektrischen Antrieb, der je am Standort gefertigt wurde. Er treibt die Modelle der Neuen Klasse an, allen voran den neuen BMW iX3.
Das Besondere daran: Steyr fertigt nicht nur die Endmontage, sondern alle Kernkomponenten im eigenen Haus – Rotor, Stator, Getriebe und Inverter. Der Inverter entsteht sogar in einer neuen, hauseigenen Sauberraum-Umgebung; damit steigt das Motorenwerk erstmals tief in die Elektrotechnik ein. Das Aluminiumgehäuse des E-Motors wird in der Giesserei des Werks Landshut gegossen und anschliessend in Steyr weiterverarbeitet.
ür diesen Wandel investiert die BMW Group vom Projektstart 2022 bis 2030 rund eine Milliarde Euro in den Standort. Eine neue, 60.000 Quadratmeter grosse Montagehalle ist bereits fertiggestellt; dort sollen rund 1.000 Beschäftigte künftig bis zu 600.000 E-Antriebe pro Jahr fertigen. 2026 geht eine zweite E-Motoren-Linie in den Serienbetrieb, wodurch die Stückzahlen und die Variantenvielfalt noch einmal deutlich steigen.
Technologieoffen statt entweder-oder
Bemerkenswert ist die Strategie hinter dem Umbau: Steyr fertigt Verbrenner und Elektroantriebe parallel. Diese Technologieoffenheit gilt als zentrale Stärke des Standorts, weil sie es erlaubt, flexibel auf die weltweite Nachfrage zu reagieren und die Beschäftigung langfristig abzusichern. Bis 2030 könnte – abhängig von der Marktentwicklung – rund die Hälfte der Belegschaft in Steyr für die E-Mobilität tätig sein.
Dazu passt ein Aspekt, der in der Diskussion oft untergeht: Die Antriebe aus Steyr entstehen im Regelbetrieb mit CO₂-neutralem Energiebezug – dank Grünstrom und Fernwärme aus Biomasse.
Ausblick: Wasserstoff als nächstes Kapitel
Steyr denkt bereits über die nächste Technologiestufe hinaus. Für das Wasserstoff-Brennstoffzellensystem, das die BMW Group 2028 auf den Markt bringen will, übernimmt das Entwicklungszentrum die Industrialisierung des gesamten Systems. Bereits 2026 beginnen dafür die Umbauarbeiten im Werk, um Platz für die neue Technologie zu schaffen.
Mit Harald Gottsche steht seit Anfang 2026 ein neuer Geschäftsführer an der Spitze, der zugleich die weltweite Antriebsproduktion der BMW Group verantwortet. Sein Fokus für die kommenden Jahre: der saubere Hochlauf der E-Motorenproduktion und die nötige Flexibilität, um Steyr als führenden Antriebsstandort zu behaupten.
Das BMW Group Werk Steyr ist ein Musterbeispiel für gelungene Transformation. Es hält an seiner jahrzehntelangen Verbrennerkompetenz fest, baut gleichzeitig konsequent die Elektromobilität aus und bereitet schon das Wasserstoffzeitalter vor. Dass dabei nach wie vor rund jeder zweite BMW und MINI ein «Herz aus Steyr» trägt, macht deutlich: Dieser Standort schlägt im wahrsten Sinne im Takt der gesamten Marke.
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