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Vom Bügelgriff zur Sensorfläche: Die stille Evolution der BMW-Türgriffe.

23. Sept.
4 Min. Lesezeit
Man beachtet sie meist erst, wenn sie nicht funktionieren. Der Türgriff ist eines der unscheinbarsten Bauteile am Auto – und gleichzeitig eines der anspruchsvollsten. Er muss bei minus 20 Grad genauso zuverlässig funktionieren wie bei sengender Hitze, er muss sich gut anfühlen, akustisch hochwertig klicken, zur Design-Sprache passen und heute zunehmend auch noch Aerodynamik, Digitalschlüssel und Fussgängerschutz unter einen Hut bringen. Bei BMW hat sich dieses kleine Bauteil über sieben Jahrzehnte spürbar gewandelt. Ein guter Grund, genauer hinzuschauen.

Der Klassiker: Eleganz auf Knopfdruck

Einen der schönsten Türgriffe der Automobilgeschichte lieferte BMW bereits 1957 mit dem BMW 507. Der schlanke, leicht geschwungene Hebelgriff liess sich per Knopfdruck aus der Karosserie lösen – eine mechanische Eleganz, wie man sie damals nur bei ganz wenigen Fahrzeugen fand. Windschnittig, fussgängerfreundlich und optisch zurückhaltend: Der 507-Griff zeigt, dass die Idee des bündigen, in die Karosserie integrierten Griffs kein Erfindung der E-Auto-Ära ist, sondern eine der ältesten Design-Ambitionen im Automobilbau überhaupt.


In den folgenden Jahrzehnten dominierten bei BMW dann pragmatischere Lösungen: robuste Bügelgriffe, wie sie sich über die 02er-, E21-, E30- und E36-Baureihen ziehen, funktional, leicht zu reparieren und mit jenem charakteristischen Klick, den viele Liebhaber klassischer BMW bis heute als Qualitätsmerkmal in Erinnerung haben.


Funktion vor Show: Die goldene Mitte

Mit Modellen wie dem E46 etablierte sich der Schwenkgriff als Standard, den man bis heute in leicht weiterentwickelter Form auf vielen BMW findet. Er ist ein guter Kompromiss: verständlich in der Bedienung, robust im Alltag, mit Zentralverriegelung und Fernbedienung kombinierbar – und bei einem Defekt meist mit einem einfachen Kunststoff-Hebelwerkzeug austauschbar. Wer selbst schon einmal einen Griff am E46 oder E90 ersetzt hat, weiss: Vorder- und Hintertüren sind bei vielen Baureihen nicht kompatibel, ein Detail, das in der Schrauber-Community immer wieder für Verwirrung sorgt.


In dieser Phase wurde der Türgriff bei BMW auch zunehmend zum Individualisierungs-Element. In der Tuning-Szene sind Griffe aus Carbon, Aluminium oder Edelstahl bis heute beliebt, um dem eigenen Fahrzeug eine persönliche Note zu geben.


Der Sprung zur Elektronik: Keyless und Sensorik

Der grössere Umbruch kam mit der Digitalisierung. Moderne BMW-Türgriffe sind längst mehr als reine Mechanik: Kapazitive Sensorflächen erkennen die Annäherung der Hand, Keyless-Systeme entriegeln das Fahrzeug automatisch, sobald sich der passende Schlüssel im Erfassungsbereich befindet. Über die BMW-Connected-App lässt sich das Smartphone zum digitalen Schlüssel machen – der Türgriff selbst enthält dafür die notwendige Sensorik, die das Smartphone als gültigen Schlüssel erkennt und den Zugang freigibt. Gleichzeitig wanderten in viele Griffleisten die Projektoren für den mittlerweile weitverbreiteten Welcome Light Carpet.


Ein besonders eigenwilliger Zwischenschritt findet sich beim BMW iX: Statt eines klassischen, herausstehenden Griffs gibt es dort nur noch eine Mulde in der Türaussenhaut. Kein bewegliches Teil, kein Elektromotor – einfach eine aerodynamisch günstige Griffmulde, in die man hineingreift.


Bündig und windschlüpfig: Die Pop-out-Ära

Der aktuell auffälligste Trend sind vollständig versenkte, elektrisch ausfahrende Griffe – sogenannte Pop-out-Griffe. Sie liegen im Ruhezustand bündig mit der Karosserie, verbessern dadurch spürbar die Aerodynamik und gelten gerade bei Elektrofahrzeugen als Ausweis moderner Formensprache. Bei BMW setzen unter anderem der 7er, der i7 und der neue iX3 auf dieses Prinzip. Erst beim Herannahen mit dem Schlüssel oder auf Sensorberührung fährt der Griff aus der Tür heraus und gibt die Türöffnung frei.


Der Charme liegt auf der Hand: weniger Luftverwirbelung, ein cleaner Look, ein Hauch Science-Fiction beim Einsteigen. Der Haken liegt allerdings ebenfalls auf der Hand – oder besser gesagt: im Bordnetz. Fällt die Stromversorgung aus, etwa bei einem schweren Unfall, bleiben rein elektrisch betriebene Griffe im schlimmsten Fall in der Karosserie stecken. Genau dieses Szenario hat in den letzten Monaten für ernsthafte Diskussionen gesorgt.


Die Winglets: BMWs eigene Antwort auf die Türgriff-Frage

Während anderswo über Verbote diskutiert wird, geht BMW beim neuen X5 (G65) einen eigenständigen Weg. Statt klassischer Griffe oder komplett bündiger Pop-out-Lösungen führt der G65 als erstes Grossserienmodell die sogenannten BMW Winglets ein: kleine, glänzend schwarz lackierte Finnen, die winkelförmig in die Fensterrahmen an B- und C-Säule integriert sind und optisch an die limitierten Modelle Skytop und Speedtop sowie die Studie "Neue Klasse X" von 2024 erinnern. Der grosse X7 soll 2027 nachziehen.


Bedient werden die Winglets per sanfter Sensorberührung, wahlweise unterstützt durch einen Servomotor, der die Tür einen Spalt öffnet, oder alternativ über iDrive respektive die My-BMW-App. Anders als bei rein elektrischen Pop-out-Griffen legt BMW dabei ausdrücklich Wert auf eine mechanische Rückfallebene: Fällt die Elektronik aus, lässt sich die Tür laut Hersteller weiterhin mechanisch öffnen – ein Umstand, der angesichts der eingangs beschriebenen Diskussion um Sicherheit bei Stromausfall kein Zufall sein dürfte. Serienmässig kommt der X5 zudem mit Soft-Close-Türen, gegen Aufpreis sind erstmals bei einem BMW-SUV auch automatische Türen erhältlich, die sich nach Betätigen des Bremspedals von selbst schliessen.


Damit positioniert sich BMW bewusst zwischen den Fronten: kein Rückschritt zum klassischen Griff, aber auch keine Kompromisslösung ohne mechanische Absicherung wie bei manchen Wettbewerbern. Ob sich die Winglets als eigenständige Designsprache über weitere Baureihen hinweg durchsetzen, dürfte auch davon abhängen, wie alltagstauglich sich das Konzept in der Praxis erweist – insbesondere bei Eis, Schnee oder verschmutzten Sensorflächen.


Sicherheit schlägt Windkanal: Der Gegenwind aus China

China plant per 1. Januar 2027 ein Verbot rein elektrisch funktionierender Türgriffe ohne mechanische Rückfallebene. Hintergrund sind dokumentierte Fälle, in denen bei Unfällen mit kollabiertem 12-Volt-Bordnetz die Griffe versenkt blieben und Rettungskräften den schnellen Zugriff auf Insassen erschwerten. Die neue Regelung verbietet versenkte Griffe nicht grundsätzlich, verlangt aber eine robuste, leicht auffindbare mechanische Notentriegelung, die ohne Strom funktioniert. Rein handbetätigte Pop-out-Griffe nach dem Vorbild von Tesla oder Aston Martin, bei denen ein Druck auf eine Seite genügt, um den Griff mechanisch auszuklappen, bleiben davon unberührt.


Für Hersteller wie BMW, die auf dem chinesischen Markt aktiv sind, ist das mehr als eine Randnotiz: Modelle wie der 7er, der i7 oder der iX3 müssten für den chinesischen Markt technisch angepasst werden. Auch der ADAC empfiehlt Besitzern von Fahrzeugen mit rein elektrischer Türöffnung ausdrücklich, sich vor Fahrtantritt mit der Notentriegelung im Handbuch vertraut zu machen – und sie auch den Mitfahrenden zu zeigen.


Ein kleines Bauteil mit grosser Wirkung

Der Türgriff erzählt im Kleinen die grosse Geschichte des Automobilbaus: von mechanischer Eleganz über pragmatische Robustheit bis zur volldigitalisierten, aerodynamisch optimierten Lösung – und jetzt zurück zu der Erkenntnis, dass Sicherheit und Notfalltauglichkeit nicht der Formensprache geopfert werden dürfen. Mit den Winglets am neuen X5 zeigt BMW, dass sich Design-Mut und mechanische Rückfallebene nicht ausschliessen müssen. Es würde nicht überraschen, wenn dieses Prinzip schon bald auch in weitere Baureihen der Neuen Klasse einzieht.




Meine Blog Artikel erstelle ich aus folgenden Quellen und Hilfsmittel:

Quellen: BMW Press Group, Google, Instagram, Erfahrungen aus dem Auto Gewerbe

Hilfsmittel: Für die Grammatik der Texte nutze ich Google Gemini und Claude








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